JAHRESBERICHT 2019

Jahreshauptversammlung 2020

 

JAHRESBERICHT 2019
FÖRDERVEREIN HOSPIZ-INITIATIVE WESEL

Kiek in den Busch 87
0281 – 442 990 54
0177 – 5511535

 

Claudia Böckmann

 

Wesel, Dienstag, 17. November 2020

Ein ungewöhnlicher Zeitpunkt, mitten im November, an dem wir uns heute hier in der VHS begegnen. Treffen wir uns zur JHV doch eigentlich regelmäßig im Mai, so ist dies der zweite Anlauf, den wir in diesem Jahr genommen haben, um diese JHV durchführen zu können. Die Gründe dafür brauche ich nicht näher zu erläutern - und so begrüße ich Sie alle ganz herzlich zu dieser ‚außergewöhnlichen‘ JHV gemäß der „ Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 vom 30. Oktober 2020“, die in § 13 zur Erledigung von Vereinsgeschäften Sitzungen von rechtlich vorgesehenen Gremien öffentlich-rechtlicher und privatrechtlicher Institutionen, Parteien und Vereine mit bis zu 20 Personen unter Einhaltung der Hygiene-Auflagen erlaubt.

Ich freue mich, Ihnen von unserer Arbeit in einem ganz ‚normalen‘ Jahr berichten zu können, zwischen unserem Jubeljahr 2018 (25 Jahre Hospiz Initiative Wesel e.V.) und dem Jahresbericht 2020 im nächsten Jahr, der geprägt sein wird durch das Coronavirus. Gleichzeitig möchte ich aber der Hoffnung Ausdruck geben, dass wir, wenn wir den nächsten Bericht 2021 vorstellen werden, möglichst viel von der Normalität, nach der wir uns gerade alle so sehr sehen, wieder zurückerobert haben werden.

 

Auch dieser Jahresbericht nimmt in erster Linie Bezug auf unsere drei großen Arbeitsbereiche und gliedert sich in folgende Punkte:

  1. Satzungsänderung
  2. Ehrenamtliche Sterbebegleitung im Erwachsenenbereich
  3. Trauer
  4. Faßbender-Projekt
  5. Kinder- und Jugendhospizdienst
  6. Kulturelles Netzwerk
  7. Ausblick
  1. Satzungsänderung

Die JHV im letzten Jahr hat mit der Satzungsänderung einen weitreichenden Einschnitt in die formalen Rahmenbedingungen unserer Arbeit gebracht, ohne etwas an den inhaltlichen Grundlagen zu ändern.

Die Satzungsänderung wurde notwendig aufgrund gesetzlicher Veränderungen vor allem im Zusammenhang mit dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz. Die Satzungsänderung wurde einstimmig beschlossen, und so wurde aus der Hospiz-Initiative Wesel e.V. mit Wirkung vom 02.01.2020 durch den Eintrag in das Vereinsregister des Amtsgerichts Duisburg der Förderverein Hospiz-Initiative Wesel e.V.

Damit bleiben das gesamte operative Geschäft, insbesondere die Finanzen und die Personalangelegenheiten der hauptamtlichen Koordinationskräfte unter dem Dach des evangelischen Kirchenkreises. Dieser fördert und unterstützt die HI seit ihrer Gründung vor nun mehr als 25 Jahren, und es war dem Vorstand wichtig, an diesen Rahmenbedingungen nichts zu ändern.

Die inhaltliche Ausrichtung des neuen Vereins ist in § 2 der neuen Satzung festgehalten: „Zweck dieses Vereins ist die Förderung und Beratung des ökumenisch ausgerichteten ambulanten Hospizdienstes des ev. Kirchenkreises Wesel, der Hospiz-Initiative Wesel durch ideelle und materielle Unterstützung. Der Verein will dazu beitragen, dass sich Sterben und Tod des Menschen in unserer Gesellschaft nach dem ihm eigenen unveräußerlichen Rechten, gemäß seiner Würde vollziehen können. In der Gewinnung, Qualifizierung und Begleitung von Ehrenamtlichen wirken der Verein und die hauptamtlichen Koordinationsfachkräfte der H-I des Kirchenkreises zusammen.“ Damit bleibt die inhaltliche Ausrichtung unserer ehrenamtlichen Begleitungsarbeit unverändert.

 

  1. Ehrenamtliche Sterbebegleitung im Erwachsenenbereich

Wir begleiten, in einem engmaschigen Netzwerk mit unseren Kooperationspartnern, Schwerstkranke, Sterbende und ihre Angehörigen, im häuslichen Bereich, in Alten- und Pflegeheimen, in Einrichtungen des betreuten Wohnens, in Krankenhäusern inkl. Palliativstation im Einzugsgebiet der Stadt Wesel, der Stadt Hamminkeln und in den Gemeinden Drevenack und Schermbeck. (Dabei ist der Anteil unserer Einsätze mit durchschnittlich 39% im häuslichen Umfeld und 35 % in Altenheimen ungefähr gleich, etwas geringer ist, mit 26%, der Prozentanteil der Einsätze in den Krankenhäusern.)

Die Dauer der Begleitungen variiert. Im häuslichen Bereich haben wir durchaus lange Begleitungen, von ein bis zwei Jahren und mehr, insbesondere weil sich die Lebenserwartung oft bei alten, an mehrfachen Erkrankungen leidenden alten Menschen schlecht vorhersagen lässt. Generell sind wir der Auffassung, dass eine Hospizbegleitung so lange bestehen bleibt, wie beide, Begleiter*in und Begleitete(r), sie als sinnvoll empfinden und das Thema Sterben darin Platz hat, ohne dass dieses Thema permanent angesprochen werden muss. Einige Begleitungen gehen über einen deutlich kürzeren Zeitraum, Sitzwachen, insbesondere in der Nacht, dauern manchmal nur einige Stunden, in der Regel sind die Ehrenamtler*innen aber auch hier in zwei Schichten, von 22.00 – 02.00 Uhr und von 02.00 – 06.00 Uhr, etwa drei bis vier Nächte im Einsatz.

Verlässliche Strukturen und Verfahren der ehrenamtlichen Arbeit sind installiert, haben sich bewährt und befinden sich in einem kontinuierlichen Reflexions- und Entwicklungsprozess.

Eckpunkte der Rahmenbedingungen unserer Arbeit sind: ein Vorbereitungskurs, dieBegleitung der Ehrenamtlichen durch die hauptamtlich Mitarbeitenden, regelmäßige themenfokussierte Gruppenabende, thematische Fortbildungen an Wochenenden, Vorbereitung und Teilnahme an Regionaltagen mit Themen schwerpunktmäßig aus dem medizinischen, spirituellen und kommunikationstheoretischen Kontext und nicht zu vergessen, ganz wichtig, die Supervision, die Gelegenheit gibt, den Mikrokosmos einer Begleitung mit dem Patienten, seinen Angehörigen und allen am Netzwerk um einen sterbenden Menschen beteiligten Personen anzuschauen und zu reflektieren.

Alle diese Facetten tragen zu einer Qualifizierung bei, dennoch kommen wir auf eine ganz wesentliche Art anders in Beziehung mit den Menschen, die wir begleiten als die medizinisch- pflegerisch - therapeutischen Experten, die einen Menschen am Ende eines Lebens behandeln und betreuen. Wir gehen miteinem Auftrag, aber ohne Erwartungen und vor allem ohne konkrete Zielvorstellungen in eine Begleitung. Wir begegnen unserem Gegenüber mit großer Offenheit und können mit unserem größten Pfund, unserer Zeit, ‚wuchern‘. Wir lassen uns auf den Menschen und seine Situation ein, reagieren flexibel auf Themen, Wünsche, die für ihn in der ihm verbleibenden Lebenszeit wichtig sind. Wir sind da, bringen uns mit unserer Persönlichkeit, die nicht in Leistungseinheiten und strengen Zeitvorgaben getaktet ist, ein, halten aus und tragen mit.

Zusammenfassend ließe sich unsere Motivation, unser Auftrag mit „Lebensbegleiter*innen in der Situation des Sterbens“, auf den Punkt bringen, eine starke, aussagekräftige Definition, für das, was wir tun, finde ich.

Auch die Krankenhäuser und Senioreneinrichtungen sind mit unseren Möglichkeiten vertraut und bitten um Begleitung von Sterbenden und Angehörigen.

Ein weiteres, Zeit intensives Feld, auf das wir uns einstellen und auf dem wir tätig sind, betrifft Menschen mit demenziellen Veränderungen, die am Ende ihres Lebens angekommen sind.

Neben der Grundfinanzierung durch den ev. Kirchenkreis, das ev. KH und das Marienhospital und über den § 39 a, SGB V, durch die KK, sind wir angehalten, uns im Umfang von 10 – 15 % über Spenden zu finanzieren.

2019 kamen ‚stolze‘ 72.605,85 € an Spendengeldern zusammen. Darin enthalten sind eine große Zuwendung der Zunger-Stiftung (gegründet 2012 durch das Ehepaar Gerhard und Christa Zunger, Inhaber der 1979 gegründeten Deko-Metall-Zunger GmbH am Standort Wesel, Quadenweg) zu Gunsten der Kinder- und Jugendhospizarbeit (über 30.000,00 €), Spenden von einigen Firmen und Teams – aber vor allem mehr als 350 Einzelspenden, oft anlässlich von Begleitungen oder Beisetzungen. Das ist ein deutliches Zeichen der Verankerung der Hospizarbeit bei vielen. Vorausschauend auf das aktuelle Jahr 2020 werden durch die Kontaktbeschränkungen viele dieser Einzelspenden fehlen.

  1. Trauer

"Bedenkt: Den eignen Tod, den stirbt man nur;

doch mit dem Tod der andern muss man leben ...".

Zu lernen, den Tod eines geliebten Menschen anzunehmen, seinen eigenen individuellen Weg durch die Trauer zu gehen und ohne diesen Menschen wieder den Weg zurück ins Leben zu finden, dabei hilft die Trauergruppe, die regelmäßig im November unter der Leitung von Hannelore Schmidt, einer unserer Ehrenamtlerinnen, seit 2011 zertifizierte Trauerbegleiterin, beginnt. Regelmäßige Treffen in einem festen Kreis von Betroffenen, die ebenfalls einen Verlust erlitten haben, ermöglichen es, der eigenen Trauer in einem geschützten Raum zu begegnen, sich über die, mit dem Verlust verbundenen Emotionen auszutauschen, Halt und Unterstützung durch die Gruppe selbst zu erfahren, bzw. den anderen Halt und Unterstützung zu geben und auch gemeinsame Aktivitäten, über die Gruppentreffen hinaus, zu planen und zu realisieren.

All das ist auch innerhalb der letzten Gruppe, die sich ab November 2019 getroffen hat, und die mit 10 Teilnehmenden (sieben Witwen und drei Witwer) zum wiederholten Male ausgebucht war, passiert. In der Gruppenleitung war in diesem Jahr neben Hannelore Schmidt auch Birgit Terhorst, hauptamtliche Koordinatorin der H-I. Beide haben sich bei den Treffen gut ergänzt und durch ihre ganz unterschiedlichen persönlichen Biographen erlaubt, den Fächer an Haltungen und Reaktionen im Umgang mit Abschied und Trauer noch einmal weiter aufzumachen.

Das Zeitfenster von November bis ins Frühjahr des darauffolgenden Jahres ist für die Trauergruppe bewusst gewählt, ermöglicht es doch insbesondere die dunkle Jahreszeit und vor allem auch die Feiertage, Weihnachten und den Jahreswechsel, die für Trauernde oft besonders schwer zu bewältigen sind, gemeinsam anzugehen.

Diese Gruppe wurde dann 2020 durch Corona unsanft ausgebremst, inzwischen ist sie aber abgeschlossen und trotz aller Verschiedenartigkeit in der Trauer hat sich die Gruppe zu einer Gemeinschaft entwickelt und die Trauernden treffen sich auch nach Beendigung der Trauergruppe weiter. Damit ist ein wichtiges Ziel, das sich die Leiterinnen setzen, auf jeden Fall erreicht.

Neun Menschen mit unterschiedlichen Verlusterfahrungen (Kind, Eltern, Geschwister) wurden 2019 durch regelmäßige Gespräche mit Eva Chiwaeze, zertifizierte Trauerbegleiterin seit 1996, in einer in Dauer und Frequenz variierenden Einzelbegleitung aufgefangen.

Darüber hinaus sammeln wir die Angebote für Trauernde in der Region. Sie werden in unserem Büro zusammengeführt, in einem Flyer zusammengestellt und von dort aus in Druck gegeben. Das Trauernetzwerk der Region trifft sich auf unsere Einladung, um sich auszutauschen, verschiedene Angebote zu beleuchten und abzustimmen. So können wir Trauernden einen guten Überblick geben über das, was an Angeboten existiert.

Ein neues Angebot im Bereich Trauer, das in 2019 angedacht und weiterverfolgt und konkretisiert wurde, ist die ‚offene Trauersprechstunde‘. Sie wird seit dem 6. Februar 2020 regelmäßig in den Räumlichkeiten der HI angeboten und kann ohne vorherige Anmeldung besucht werden. Damit soll die Schwelle bewusst niedrig gehalten und ein Angebot geschaffen werden, ganz spontan, in oft schwierig auszuhaltenden Situationen, Gesprächspartner*innen zu finden, die helfen, großen Wellen an Gefühlen und Emotionen im Trauerprozess zu begegnen, ohne von ihnen überflutet zu werden. Das ehrenamtliche Engagement von vier zertifizierten bzw. sehr erfahrenen Trauerbegleiter*innen macht dieses wöchentliche Angebot möglich.

 

  1. Faßbender-Projekt

Das seit 2012 in Projekthäusern der Altenpflege implementierte Faßbender-Projekt, das durch die 2006 ins Leben gerufene Kati-Faßbender-Stiftung des ehemaligen Stadtdirektors Günter Faßbender, realisiert werden konnte, ermöglicht Menschen in Altenpflegeeinrichtungen, die am Ende ihres Lebens angekommen sind, durch eine ganzheitliche palliativ-geriatrische Vorsorgeplanung, Versorgung und Begleitung in ihren Einrichtungen zu verbleiben und nicht noch einmal ins Krankenhaus verlegt werden zu müssen.

Dieses von der Hospiz-Initiative getragene Projekt verantwortet seit Beginn an Marion Zwanzig. Seit Februar 2016 ergänzt Kranken- und Gesundheitspflegerin Heike Breumann, ebenfalls Palliativfachkraft, das Team mit einer 50%-Stelle.

Neben der Begleitung und Versorgung von Menschen in den Altenpflegeeinrichtungen, deren Sterben mit Krisen verbunden ist, gehören je nach Stand und Situation der einzelnen Häuser die umfassende Beratung und Begleitung zur Implementierung von Palliativ Care und Hospizarbeit, die Mitarbeit beim Qualitätsmanagement und die Leitung von Qualitätszirkeln, regelmäßige Sprechstunden für Bewohner*innen und deren Angehörige, hausinterne Fortbildungsangebote für die Pfleger*innen zu den Aufgaben der beiden Koordinatorinnen des Faßbender Projektes.

Die beiden, von Anfang an am Faßbender-Projekt beteiligten Häuser, waren das zur Holding ‚pro homine‘ gehörende Haus Sankt Lukas, in der Feldmark in Wesel und das Haus Kiek in den Busch, in Wesel Obrighoven, in der Trägerschaft des ev. KH.

Seit Januar 2018 gehört auch das Nikolausstift, ebenfalls eine Einrichtung der ‚pro homine‘, zu den Projekthäusern, die einen umfassenden Implementierungsprozess von Palliative Care und Hospizarbeit durchlaufen.

Im Haus Sankt Lukas wurden im Jahr 2019 19 Begleitungen, im Haus Kiek in den Busch im Jahr 2019 34 Begleitungen und im Nikolausstift 21 Begleitungen abgeschlossen.

Dem Altenheim am Willibrordiplatz in Wesel stehen Frau Zwanzig und Frau Breumann bei komplexen Palliativfällen auf Anfrage und wenn ihre Kapazitäten es erlauben, beratend zur Seite. 2019 war das im Kontext von 3 Begleitungen der Fall. Nach Inbetriebnahme des geplanten Neubaus werden dort die Gespräche über einen Implementierungsprozess fortgesetzt werden.

Von den insgesamt 58 (2018 83 Begleitungen) durch das Faßbender-Projekt bis zum Tod begleiteten Menschen in den oben genannten Einrichtungen der Altenpflege sind fast 96,6% (2018 89,2%) in ihrer gewohnten Umgebung, das heißt im Altenheim, verstorben, zwei Bewohnerinnen, also 3 % (2018 10%) verstarben im Krankenhaus. Der für die Patienten sehr stressintensive und eine hohe Verunsicherung hervorrufende Wechsel dorthin, konnten durch eine vorausschauende Versorgungsplanung zum Wohle und inneren Frieden des Bewohners vermieden werden.

Seit Juli 2018 gibt es auch im Kreis Wesel rechtsrheinisch das Angebot der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV), das auch von Bewohnern in Pflegeeinrichtungen in Anspruch genommen werden kann. Die Hospiz-Initiative Wesel ist Kooperationspartner der SAPV im rechtsrheinischen Teil des Kreis Wesel. Die Koordinatorinnen des Faßbender-Projektes vernetzten die Projekthäuser mit dem SAPV-Team und sind beteiligt am Aufbau dieser neuen Versorgungsstruktur in den Einrichtungen der Altenpflege.

Die ‚pro homine‘ bietet seit April 2019 Bewohner*innen, die neu in ein Pflegeheim einziehen, Beratungsgespräche zur gesundheitlichen VersorgungsPlanung (BVP) an. Die Koordinatorinnen des Faßbender-Projektes sind mit den Berater*innen der ‚pro homine‘ eng vernetzt und am Aufbau dieses Angebotes beteiligt.

Am Beispiel der von SAPV und BVP wird deutlich, dass die Expertise der Koordinatorinnen des Faßbender-Projektes beim Aufbau neuer Versorgungsstrukturen im Bereich der Altenpflege sehr gefragt ist und dass ihre aktive Netzwerkarbeit Früchte trägt.

  1. Kinder- und Jugendhospizarbeit

Seit November 2017 ist Anne Marquardt Koordinatorin im Kinder- und Jugendhospizdienst der HI Wesel e.V. Zunächst hatte sie eine 50%-Stelle, die im April 2019 auf 30 Stunden aufgestockt wurde.

Das Team im Kinder- und Jugendhospizdienst besteht aktuell aus einer Gruppe von 19 Ehrenamtler*innen, die sich als Familienbegleiter*innen einbringen. Zu zunächst vier ‚alten‘ erfahrenen ersten Begleiter*innen stießen ab Dezember 2018 15 ‚neue‘ Ehrenamtler*innen nach Abschluss ihrer Vorbereitungsphase und vergrößern das Team um Anne Marquardt.

Noch ausgeprägter als im Erwachsenenbereich ist es im Kinder- und Jugendhospizdienst wichtig, die ganze Familie mit den sehr unterschiedlichen Bedürfnissen der einzelnen Mitglieder im Blick zu haben. Aktuell betreut der Kinder- und Jugendhospizdienst acht erkrankte Kinder, fünf Geschwisterkinder, eine Mutter sowie ein trauerndes Kind, dessen Mutter an Krebs erkrankt ist und dessen Vater an Depressionen leidet.

Die Ehrenamtlichen des Kinder- und Jugendhospizdienstes sind auch als Begleiter*innen und Betreuungspersonen bei Ausflügen und Aktivitäten, die vom Kooperationspartner ‚Löwenzahn und Pusteblume‘ organisiert werden, regelmäßig aktiv.

Strukturiert wird der Kinder- und Jugendhospizdienstes u.a. aus einmal im Monat stattfindenden Gruppentreffen. Supervisionssitzungen sind ein weiteres stützendes, identitätsstiftendes Element, um die zahlreichen Herausforderungen der ehrenamtlichen Einsätze zu verarbeiten. Alle Ehrenamtler*innen begegnen den Herausforderungen der betroffenen Familien mit großem Respekt und Offenheit. Letztere von Seiten der Familien zu erleben, macht diese Arbeit so wertvoll und bereichernd.

Intensive Gespräche im Vorfeld einer Begleitung und die Bereitschaft der Ehrenamtler*innen, sich auf die Situation in den Familien einzulassen, bereiten passgenaue Begleitungen vor. Zwei Beispiele: Ein pferdebegeistertes Geschwisterkind geht einmal in der Woche zum Reiten, ein elfjähriger Junge lernt mit seiner Begleiterin, die selbst einen Schwimmtrainerschein hat, schwimmen und ein an der fortschreitenden Muskelerkrankung Duchenne erkrankter Jugendlicher, der nur noch den Oberkörper bewegen kann, verbringt, dank der tollen Netzwerkarbeit zur ev. Jugend Wesel, drei Wochen im Sommer mit 25 anderen Jugendlichen in Schweden. Nach der Rückkehr sagen beide Seiten: Sofort wieder!

Manchmal ist auch ein Tandem von Ehrenamtlern im Einsatz, wie z.B. bei der alleinerziehenden Mutter von fünf Kindern, von denen zwei erkrankt sind, das jüngste lebenszeitverkürzt mit einer seltenen Darmerkrankung. Für diese Familie wurde es in Kooperation mit dem Kinderhospiz in Wilhelmshaven ermöglicht, dass alle, die Mutter und ihre fünf Kinder gemeinsam drei Wochen am Meer verbringen konnten. Und während dieser Zeit wurde sogar die Schulpflicht erfüllt, da die schulpflichtigen Kinder dort auch beschult werden konnten.

Das sind nur ein paar Beispiele der Arbeit und der Einsätze im Bereich des Kinder- und Jugendhospizdienstes. Jede Familie schultert ihr Schicksal und erfährt durch die Arbeit und das Engagement des Kinder- und Jugendhospizdienstes Momente, die helfen, die Akkus aufzufüllen, wieder Kraft zu schöpfen und den Weg gemeinsam weiter zu gehen und zu meistern.

Anne Marquardt baut vor dem Hintergrund dieser vielfältigen Aufgaben nach ihrer Weiterbildung zur ‚Pädiatrischen Palliativ Care Fachkraft‘ und zur Koordinatorin – Fachweiterbildung durch den Deutschen Kinderhospizverein, mit einer Weiterbildung zum Thema Leitungskompetenz an der Palliativakademie Würzburg ihr Fortbildungsportfolio weiter aus.

 

  1. Kulturelles – gesellschaftliches Netzwerk

Wie in den vergangenen Jahren auch haben wir uns auch im Jahr 2019 wieder über kulturelle Unterstützung und gesellschaftliche Anerkennung gefreut, die uns in unserem Engagement trägt und uns motiviert. Hier einige Beispiele:

 

  1. Am 05.02.2019 überreichen Mitarbeitende des Klausenhofs der HI einen Scheck in Höhe von 550,00 €, Erlös eines Basars, mit dem die Arbeit der HI unterstützt werden soll.
  2. Am 24. März 2019 lud der ehemalige Regionalkantor Willem Winschuh und sein Kammerchor Cantare et Sonare in der Klosterkirche St. Maria Himmelfahrt in Hamminkeln-Marienthal ein, wo unter der Überschrift „ … und ist Mensch geworden“ Chorwerke italienischer, spanischer, französischer und deutscher Komponisten erklangen. Der Spendenerlös dieser Passionsmusik ging zugunsten der HI.
  3. Am 31. März 2019 Lieder sollen uns begleiten – Chorkonzert im Rathaussaal Voerde
  4. Am Samstag, 07. Dezember 2019 wird die HI gemeinsam mit 9 weiteren Preisträgern im großen Ratssaal mit dem Ehrenamtspreis der Stadt Wesel ausgezeichnet. Vorgeschlagen für diese Auszeichnung hatte die HI Karin Nienhaus, Geschäftsführerin des Kulturspielhauses Scala. Aus insgesamt 43 Bewerbungen werden wir ausgesucht und erleben durch die Laudatio der Bürgermeisterin Ulrike Westkamp eine Wertschätzung unserer Arbeit: „Ich freue mich, dass die HI e.V. einen Ehrenamtspreis der Stadt Wesel erhält. Persönlich habe ich große Hochachtung für die Menschen, die dieses Ehrenamt ausüben.“
  1. Resümee – Ausblick – Schlusspunkte

Die Satzungsänderung wird auch Veränderungen für die nächste JHV haben. Finanziell wird der Förderverein in Zukunft nur noch für die Verwaltung und den Nachweis der Mitgliederbeiträge verantwortlich sein. Wir haben bei der letzten JHV mit Herrn Thieben einen ersten Kassenprüfer gewählt, an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an Sie, Herr Thieben, dass Sie sich für diese Aufgabe zur Verfügung gestellt haben und so unserer Arbeit nicht nur durch Ihre Wertschätzung entgegenbringen, sondern auch ganz konkret durch die Übernahme eines Amtes praktisch unterstützen. Heute werden wir aus unserer Runde einen zweiten Kassenprüfer, so wie es die neue Satzung vorsieht, wählen. Beide kontrollieren dann gemeinsam die Vereinsgeschäfte rund um die Verwendung und den Nachweis der Mitgliederbeiträge.

Für den Förderverein ist ein Konto bei der Nispa, der Niederrheinischen Sparkasse eingerichtet worden, über das die Mitgliederbeiträge eingezogen und verwaltet werden. Jedes Mitglied ist angeschrieben und um die Erlaubnis eines Sepa-Mandats / Lastschrifteinzug gebeten worden. Dieser Prozess ist, zum gegenwärtigen Zeitpunkt so gut wie abgeschlossen.

Neue Homepage

Die Neugestaltung unserer Homepage, die ja schon länger auf der Agenda steht, ist definitiv einen großen Schritt weiter und auf einem ‚guten Weg‘. Herr Wichert, Scape – Media, ist mit der Gestaltung beauftragt und wird in Kürze dem Vorstand einen ersten Entwurf vorstellen. Wir rechnen damit, Anfang 2021 eine komplett überarbeitete Homepage präsentieren zu können.

Mit dem Blick auf die aktuelle Situation möchte ich diesen Bericht schließen mit dem ersten Zitat aus dem monatlichen Info-Brief an alle Ehrenamtler*innen des Jahres 2019, das mir heute ausgesprochen passend erscheint: „In allen Dingen ist hoffen besser als verzweifeln.“ Dieser Satz stammt von Johann Wolfgang von Goethe. Es wäre interessant zu wissen, in welchem Zusammenhang Goethe ihn geäußert hat, denn die Pandemie wird es nicht gewesen sein. Aber gibt es nicht so unendlich viele Situationen, auf die / in denen er zutrifft? Von den großen politischen weltbewegenden Ereignissen und Entwicklungen bis hin zu der ganz kleinen persönlichen Welt eines jeden von uns, in der sich Schicksale ereignen, die getragen und akzeptiert werden müssen.

Pandemie bedingt haben wir in diesem Jahr seit dem Frühjahr viel absagen müssen, zum Teil sogar zweifach, wenn ich nur an unsere Klausur in der Wasserburg Rindern denke, die eigentlich für den April geplant war und deren Ersatztermin Ende Oktober auch nicht realisiert werden konnte. Und auch unser Sommerfest ist genauso ausgefallen wie auch unsere Weihnachtsfeier in diesem Jahr ausfallen wird. Mit anderen Worten: die Pandemie verlangt jedem von uns eine Menge ab, uns aber vor allem auch den Patienten und Patientinnen und ihren Familien.

Aber trotz all dieser Herausforderungen möchte ich betonen, dass es nach individueller Rücksprache mit den Altenheimeinrichtungen und den Familien Begleitungen gegeben hat und gibt. Und: diese außergewöhnliche Zeit setzt auch sehr viel Kreativität frei, um nur zwei Beispiele zu nennen: das sehr berührende, von Brigit Terhorst zusammengestellte Heft: „In memoriam“, Verstorbene 2019 – 2020, das unser jährliches Gedenken im November ersetzt und sicherstellt, dass keiner der von uns begleiteten Menschen vergessen wird und das zweite Beispiel, auf das ich jetzt aber noch nicht näher eingehen werde, ist das Weihnachtsgeschenk für unsere Ehrenamtler*innen, das in diesem Jahr Birgit Koch ausgesucht und mit viel Energie begleitet hat.

Der nächste Jahresbericht 2020 wird sich fundamental von dem hier gerade präsentierten unterscheiden, aber ich hoffe, dass, wenn wir diesen Bericht vorstellen werden, wir auch schon wieder ein ganzes Stück weit in Richtung „Normalität“ sein werden, nach der wir uns alle aktuell so sehr sehnen. Ganz zu Beginn des ersten Lockdowns im März 2020 fand ich in der RP folgendes Zitat: „In Zeiten wie diesen wird uns erst bewusst, WIE frei und unbeschwert unser Leben war.“

Hoffen wir, dass wir auch wieder dahin zurückkehren und für diese außergewöhnlichen Zeiten, die wir gerade durchleben, wünsche ich uns allen eine Balance zwischen Herz und Bauch auf der einen und Kopf und Verstand auf der anderen Seite und einen guten inneren Kompass, der uns leitet, bei dem, was wir tun und ganz bewusst in diesen Tagen auch NICHT tun.

Ich bedanke mich bei allen Ehrenamtler*innen, Vorstandsmitgliedern und hauptamtlichen Koordinatorinnen, ohne die all das hier Berichtete nicht möglich wäre, aufs Herzlichste, danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit, beantworte gerne Ihre Fragen und freue mich über Anmerkungen bzw. Kommentare

Bitte passen Sie gut auf sich auf, bleiben wir untereinander zugewandt und verbunden. und vor allem zuversichtlich, ganz im Sinne Johann Wolfgang Goethes …